Freie Schule in Berlin e.V. Freie Schule in Berlin e.V. Freie Schule in Berlin e.V.
 
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Chronologie der Freien Schule in Berlin (FS)

1977
  Seit 1977 betreiben vier Mütter eines Kinderladens für ihre Kinder die Gründung einer alternativen Grundschule zum Schuljahr 1979/80.

1978
  Die Konzeption wird Ende 1978 dem Schulsenator Rasch vorgelegt. Anfang 1979 wird ihr das besondere pädagogische Interesse zuerkannt, so dass im Sommer 1979 die Freie Schule Tempelhof pünktlich mit einem ersten Jahrgang ihre Arbeit auf dem ehemaligen Ufa-Gelände aufnehmen kann (16 Kinder).

1979
  Formelle Grundlage für den Schulbeginn ist eine vorläufige Arbeitserlaubnis. Sie ermöglicht den Aufbau der Schule zu einer sechsjährigen Grundschule mit beabsichtigten 40 Kindern. Bei erfolgreicher Arbeit der Schule soll eine vorläufige Genehmigung erteilt werden.

Gegen diese Vereinbarung mit dem Schulsenator läuft die Schulverwaltung von Anfang an Sturm. Sie interveniert auf der Bezirks- und Landesebene - und versucht, die FS von vornherein auf das Maß einer öffentlichen Schule zurückzuführen, z.B. mit ihrer Forderung, den Alltag unserer Schule ebenfalls nach Stundenplan zu organisieren (nach dem Motto: "Wehret den Anfängen" wird ebenfalls ein zweites alternatives Schulprojekt vom Mehringhof / Kreuzberg bekämpft).
   
1983
  Den Forderungen der Schulverwaltung widersetzt sich die FS. Das führt am Ende des Schuljahres 1982/83 zur Rücknahme der Arbeitserlaubnis durch Schulsenatorin Frau Dr. Laurien. Die Begründung (Nichterfüllung des Konzepts) trifft insoweit zu, als bereits unsere Arbeit der ersten Wochen das Konzept der Gründungseltern zu überholen begonnen hatte.

Die FS kann gegen diesen Bescheid eine breitere (pädagogische) Öffentlichkeit für sich einnehmen. Es kommt zu einer Anhörung beider Parteien vor dem Schulausschuss des Westberliner Abgeordnetenhauses und zu der Empfehlung, die Schulsenatorin möge das Gespräch mit der Schule wieder aufnehmen. Dieses Gespräch führt im November 1983 zur vorläufigen Genehmigung der FS bis zum Abschluss ihres Aufbaus (mit Ende des Schuljahres 1984/85).

1984
  Der Forderung der Schulverwaltung, Transparenz der Abläufe im Schulalltag hinsichtlich ihrer Lernresultate herzustellen, kommt die Schule nach mit einem diesbezüglichen vorläufigen Resümee ihrer Erfahrungen der abgelaufenen vier Jahre (Ende 1984 für die noch fehlenden Jahrgänge fünf und sechs ergänzt).
   
1985
  Sich häufende Schulratsbesuche im ersten Halbjahr 1985 ergeben für die Schulverwaltung eindeutig: Die Schule hat ihre Aufgabe, die Schüler für weiterführende Schulen zuverlässig auszubilden, wegen Inkompetenz im Verein mit einem untauglichen Konzept verfehlt. Sie hat mit Ende des Schuljahres 1984/85 zu schließen.

(taz vom 22.01.1986, PDF 25 KB)

(Tagesspiegel vom 11.02.1986, PDF 19 KB)

Die Schule klagt gegen das Verbot. Ihr zusätzlicher Antrag, den Vollzug der Schulschließung einstweilig bis zur Entscheidung über ihre Klage auszusetzen, wird Ende 1986 in letzter Instanz verworfen, damit ist die Schule illegal.

(Frankfurter Rundschau vom 06.11.1986, PDF 13 KB)

Die Antwort der inzwischen 40 Eltern: Sie schicken ihre Kinder ganztägig in den laut Konzept der Schule integrierten Hort und entziehen sie so der Schulpflicht. Die Schule nimmt weiterhin Kinder auf. Auch den folgenden Abgängern werden bei dem von der Schule empfohlenen Übergang zur Sekundarstufe 1 keine Steine in den Weg gelegt.

1986
 
Angestrengte Bußgeldverfahren gegen Eltern und eine Lehrerin verpuffen, weil gerade der weitere Schulweg der Abgänger der FS das Verdikt der Schulverwaltung widerlegt (Das Urteil, sie seien "bis zu zwei Jahre hinter den Anforderungen des Rahmenplans für die öffentliche Schule zurück, vor allem in seinem Kernbereich, den Kulturtechniken", konnte nicht aufrecht erhalten werden). Damit angezeigte Gespräche zur Normalisierung des Schulbetriebs werden von der Schulverwaltung
verweigert.
   
1987
  Drei Fürsprecher der FS - die Herren Fabig (FDP), Prof. Vogel (eine Kapazität in Sachen Privatschulgesetz) und der Pädagoge Prof. Ilien (späterer Leiter der wissenschaftlichen Begleitung der Glocksee-Schule Hannover) überzeugen im Oktober 1987 in einem Gespräch die Senatorin Frau Dr. Laurien von der konzeptionellen, praktischen und personellen Verlässlichkeit der Arbeit der FS.

Die Senatorin schlägt daraufhin vor, eine rückwirkende vorläufige Genehmigung ab dem Schuljahr 1987/88 zu erteilen, vorausgesetzt, die Schule fixiert die Ausführungen des Gesprächs in einem Konzeptentwurf, was von Prof. Ilien pünktlich besorgt wird. Dennoch verschleppt die Schulverwaltung diese Genehmigung. Es gelingt ihr außerdem, dass die Senatsverwaltung für Familie und Jugend im ersten Halbjahr 1988 der FS die Platzgelder für den Hort entzieht.

Damit entfallen die einzigen öffentlichen Zuwendungen für die Schule, die die finanzielle Last der Eltern erträglich hielten, bis die Senatorin zum Ende des Schuljahres 1987/88 im direkten Gespräch mit der Schule die verbliebenen offenen Fragen klärt (neuer Trägerverein, neuer Name der Schule).
   
1988
  Ab Schuljahr 1988/89 wird die Schule vorläufig genehmigt, mit der Zusage, sie nach zwei Jahren endgültig zu genehmigen, wenn die Schule weiterhin ihrem Konzept entspricht.

(taz vom 27.08.1988, PDF 12 KB)

Dies hängt von nun an nur noch von der FS selbst ab. Die pädagogischen Grundlagen des Konzepts bilden der Entwurf von Prof. Ilien und ein Folgepapier der Schule zu dessen Bedeutung für den Schulalltag. In beiden Papieren sind schon Arbeitserfahrungen enthalten, nach denen die Schule auch weiterhin handelt.

1990
  Da die Schule seitdem von inhaltlichen Einmischungen seitens der Schulverwaltung verschont bleibt, erhält sie im November 1990 von Schulsenatorin Volkholz die endgültige Genehmigung. Kurz zuvor führt die Schulverwaltung noch ein Nachhutgefecht, mit dem Erfolg, dass entgegen der Zusicherung der Senatorin Volkholz, die Schule schon im Sommer 1990 voll zu akzeptieren, ihre Genehmigung um drei Monate verschoben wird.

(taz vom 20.10.1990, PDF 14 KB)
   
    (taz vom 07.11.1990, PDF 11 KB)

Zudem wird ein Antrag der Schule auf Lotto-Gelder von der Schulverwaltung nicht unterstützt, mit dem Hinweis auf die bei einem derart unausgewiesenen Konzept höchst ungewisse Zukunft der Schule. So wird die nach einem halben Jahrhundert dringend nötige Grundsanierung und Umgestaltung des Hauses zu einem Schulgebäude erheblich erschwert.

1997
  Noch 1997 versucht die Schulverwaltung, die der Schule nach Privatschulgesetz zustehenden Zahlungen der öffentlichen Hand, mit dem Verweis auf fehlende Haushaltsmittel, zu verhindern. Doch seit Sommer 1998 erhält die FS die ihr zukommenden finanziellen Zuschüsse.

In den 90er Jahren konzentriert sich die Freie Schule in Berlin auf ihre eigentlichen Aufgaben. Die Anzahl der Schüler wächst auf 50 Kinder. Die Schule bekommt es mit den eigenen Widersprüchlichkeiten zu tun: Die alten Absichten in sich ändernden Zeiten und die Entwicklungen im Verhältnis zwischen Eltern und Schule bekommen nun einen größeren Stellenwert in den Auseinandersetzungen.

2003
  Ein letztes Datum: im Juni 2003 erwirbt die FS ein Grundstück bei Storkow nahe Berlin, womit sich die Perspektive ergibt über einen periodisch zu nutzenden zweiten Lernort zu verfügen.


(Weitere Zeitungsartikel als PDF unter Pressestimmen)

   
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